Welche Unternehmen nachhaltiges Palmöl wollen – und welche nicht

Die verheerenden Folgen von Palmöl müssten nicht sein – wenn die Unternehmen denn wollten.

Seit Jahren reden wir über die verheerenden ökologischen und sozialen Folgen, die Palmöl haben kann – aber nicht muss. Regenwaldrodungen, Artensterben, Menschenrechtsverletzungen. Das alles könnten Unternehmen, die Palmöl kaufen, verarbeiten und in ihren Produkten mitverkaufen, verhindern. Wenn sie denn wollten.

Palmöl Plantage LuftbildKahlschlag, Monokultur, Ökodesaster: Das wäre alles zu verhindern © naturepl.com / Juan Carlos Munoz / WWF

Es scheint, als ob wir in einer Zeitschleife festhängen. Immer noch hören wir leere Versprechungen und phantasievolle Ausflüchte. Was alles nicht ginge, wie wenig Kontrolle sie hätten, wie schwer alles ist… Die Lieferketten … sie seien als Unternehmen viel zu groß, um diese Mengen zu kontrollieren, oder zu klein, um Einfluss zu haben oder zu weit hinten im Prozess. Ja, es ist vielleicht nicht einfach. Aber machbar. Andere machen es ja vor.

Viele Versprechungen, wenig Umsetzung

Ich bin reif für etwas Neues. 2020 sollte mal das „Superjahr“ für nachhaltiges Palmöl werden. Davor war es 2015. Jetzt wird auf 2025 und 2030 verschoben. Viele Unternehmen und Regierungen hatten angekündigt und sich verpflichtet, Entwaldung aus ihren Lieferketten und aus Importen zu verbannen. Für Palmöl, nach wie vor einer der Haupttreiber für Entwaldung, wurden große Versprechungen gemacht. Umgesetzt wurde viel zu wenig.

Kurz zu den Palmöl-Fakten:

Für unsere WWF Palmöl-Scorecard 2021 haben wir 227 große Einzelhändler, Markenhersteller und Unternehmen des Gastgewerbes aus 24 Ländern befragt. Die Bilanz ist wie gesagt eher ernüchternd: Trotz zahlreicher Zusagen der großen Marken und Supermarktketten, bis 2020 Naturzerstörung aus ihren Palmöl-Lieferketten zu beseitigen, hat sich in den letzten Jahren nicht viel getan.

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Die Hälfte aller Befragten nutzt noch nicht einmal zu 100 Prozent RSPO-zertifiziertes Palmöl. Obwohl es seit Jahren verfügbar ist. Mehr als ein Drittel (85) der 227 der Unternehmen hat uns gar nicht erst geantwortet. Kein Unternehmen hat die volle Punktzahl erreicht. Die Futtermittelindustrie hinkt total hinterher. Fleisch und Wurst bleiben die Brandbeschleuniger.

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Anscheinend können wir es nicht oft genug sagen: Wenn ihr etwas gegen wirklich schlimmes Palmöl machen wollt, dann esst weniger und dafür besseres Fleisch. Das gilt übrigens auch für Milchprodukte.

Aber jetzt mal zu ein paar positiven Nachrichten.

Einige Unternehmen gehen tatsächlich voran. Ganz vorne stehen COOP Schweiz — 22,4 von 24 Punkten — Ferrero (21,7) und IKEA (21,6). Das Frühstücksbrot ist gerettet.

Es gibt auch gute deutsche Unternehmen:

Am besten schneiden Kaufland (20,5) und Beiersdorf AG (20,2) ab. Rewe findet sich als weiteres deutsches Unternehmen unter den Top 13, in der besten Kategorie „Leading the way“. Es geht doch.

Die Mogelnummer mit dem “ohne Palmöl”

Apropos Nutella und Co: Was mich ärgert sind Marketing-Lockangebote, wenn damit geworben wird, dass ein Produkt „ohne Palmöl“ sei. Da lohnt sich ein genauerer Blick. Ein Beispiel ist der Milka-Aufstrich, auf dem ein „mit Sonnenblumenöl“ Schriftzug leuchtet. Im Netz werden sie dafür gefeiert. Aber: Die Milka-Mutter Mondelez setzt insgesamt noch immer über 300.000 Tonnen Palmöl ein. Davon sind gerade mal rund zwei Prozent physisch zertifiziert. Weitere zwei Prozent sind gar nicht zertifiziert und über 90 Prozent nur über B&C‑Zertifikate abgedeckt. Das zertifizierte Palmöl steckt also gar nicht physisch im Produkt. Das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Entwaldung ist damit definitiv nicht aus den Keksen verbannt. Mondelez hat daher auch nur 12,2 von 24 Punkten erhalten. Und ist damit eher Mittelmaß — und wer will das schon beim Frühstück.

Augen auf beim Einkauf

Deswegen – damit die Zukunft besser schmeckt: Wer umfassend nachhaltige Produkte einkaufen will, die nicht nur einen „trendigen“ Rohstoff anpacken, sondern alle, greift am besten zu Bio.

  • Frische, regionale Lebensmittel statt Fertigware spart Palmfett.
  • Esst besseres Fleisch, Bio oder Wild, und dafür weniger oder vielleicht auch gar keins.
  • Werft (und schüttet) weniger weg, auch bei Kosmetik, Waschmitteln und Co.
  • Fahrt mehr Fahrrad.
  • Schaut, was Eure Lieblingsmarke für Palmöl einsetzt oder die Supermarktkette Eurer Wahl.

Die Unternehmen machen es nicht, wir brauchen die Politik

Finde ich gut, wenn ihr das macht. Aber tatsächlich ist es an der Politik, klare Vorgaben zu machen. Die Unternehmen werden es allein nicht machen. Das zeigt der Stillstand bei der Palmöl-Scorecard. Wir brauche klare Regeln der Politik, damit wir uns als Verbraucher:innen darauf verlassen können, dass Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen gar nicht erst nach Deutschland importiert werden dürfen und nicht via Supermarktregalen bei uns auf dem Tisch landen.

Alle Details zur Palmöl-Scoecard findet ihr hier (auf Englisch): WWF Palm Oil Buyers Scorecard — POBS (panda.org)

Der Beitrag Welche Unternehmen nachhaltiges Palmöl wollen – und welche nicht erschien zuerst auf WWF Blog.


Link zum kompletten Artikel: https://blog.wwf.de/welche-unt…-wollen-und-welche-nicht/