Warum kleine Wasserkraftwerke viel schaden, aber wenig nutzen

Kleinwasserkraftanlagen sind umweltschädlich, ineffizient für die Energiewende, makroökonomisch unwirtschaftlich. Und werden staatlich immer stärker gefördert. Wissenschaftler protestieren jetzt.

“Gewässer dürfen nicht die Verlierer des Pariser Klimaabkommens sein”, warnt Senckenberg-Generaldirektor Professor Klement Tockner während eines Interviews, das ich mit ihm für das WWF-Magazin (04.21) geführt habe. Ich bin ihm schon einmal begegnet, im Februar 2020, bei unserem Flussfilmfest in München. Unter dem Motto „Aus Liebe zum Wasser“ bestaunten wir damals Flusslandschaften aus der Vogelperspektive, sahen einen Film über den König der Alpenflüsse, den Tagliamento, und diskutierten darüber, was uns Menschen mit Flüssen verbindet.

Schon damals wies der Gewässerökologe Tockner darauf hin, dass Kleinwasserkraftwerke fast nichts zur Stromversorgung beitragen, aber überproportional viel Schaden an den Gewässern anrichten. Doch was tut die deutsche Politik? Sie erhöht die Subventionen noch einmal kräftig: Seit Jahresbeginn 2021 erhalten Betreiber kleiner Anlagen (bis 500 Kilowatt Leistung) drei Cent pro Kilowattstunde mehr als bisher. Der Bonus gilt bis zu zehn Jahre lang. Die Begründung: „Gesunkene Stromerträge u. a. aufgrund des Klimawandels stellen insbesondere kleine Wasserkraftanlagen vor große Herausforderungen“. Mit dem Geldsegen wird also gar nicht die Energiewende angeschoben, es werden schlicht die Einnahmenverluste der Betreiber kompensiert.

Vetternwirtschaft statt Einsatz für die Energiewende?

Für die Finanzspritze stark gemacht hat sich unter anderem ein mittlerweile durch die sogenannte Maskenaffäre weithin bekannter CSU-Abgeordneter: Dr. Georg Nüßlein, selbst Wasserkraftbetreiber. Die Bundesregierung schätzt, dass dieses Geschenk die Steuerzahler:innen jährlich rund 43 Millionen Euro kosten wird. Und das mindestens acht Jahre lang.

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Warum fördert die Bundesregierung solche Kleinstanlagen immer mehr, wo sie doch immer weniger Strom erzeugen? Und sie meist nicht einmal ökologische Mindeststandards erfüllen? Von den 43 Millionen Zusatzförderung für die kleine Wasserkraft könnten wir jährlich neun Windräder mit einer Leistung von drei Megawatt bauen. In acht Jahren also insgesamt 72 Stück. Alle Haushalte einer Stadt in der Größe von Regensburg könnten mit dem Ertrag von 72 Windanlagen versorgt werden. Das wäre tatsächlich ein Beitrag zur Energiewende!

Wissenschaftler:innen fordern: Energiewende nicht auf Kosten unserer Gewässer!

Dies hat nun 65 Forschende aus 30 wissenschaftlichen Institutionen auf den Plan gerufen, unter ihnen Klement Tockner. Sie empfehlen der Bundespolitik in einer gemeinsamen Stellungnahme vom 4. November 2021 dringend, die Förderung von Kleinwasserkraftwerken zu beenden. Ich kann Martin Pusch vom IBG, einem der Initiatoren der Stellungnahme, nur beipflichten, wenn er sagt: „Grundsätzlich beeinträchtigen alle Wasserkraftwerke den ökologischen Zustand der Gewässer. Extrem ist dies jedoch bei der Kleinwasserkraft der Fall: Hier steht der geringe gesellschaftliche Nutzen durch wenig Stromerzeugung den hohen ökologischen Kosten durch massive Umweltschäden gegenüber“.

Wir sind uns also einig: Die öffentliche Unterstützung von Kleinwasserkraftanlagen ist umweltschädlich. Sie ist im Sinne der Energiewende ineffizient und makroökonomisch unwirtschaftlich.

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Ich freue mich über diese Initiative aus der Wissenschaft. Wir dürfen ineffiziente Anlagen nicht fördern, sondern Stilllegung und Rückbau baufälliger Wehre fördern. Damit die Bagger nicht nur an der Baunach rollen, sondern bald auch andernorts.

Wir alle können in der Zwischenzeit schon einmal Strom sparen. Jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, muss auch nicht produziert werden. Nicht von Wasserkraft, Windenergie oder gar fossilen Energieträgern.

Der Beitrag Warum kleine Wasserkraftwerke viel schaden, aber wenig nutzen erschien zuerst auf WWF Blog.


Link zum kompletten Artikel: https://blog.wwf.de/kleine-wasserkraft/