Persona 5 Strikers



  • Sequel-Angriff auf die Fanherzen!


    Langjährige Fans gefeierter Videospiel-Highlights aus dem weit entfernten Japan dürften harte Geduldsproben mittlerweile gewohnt sein, sind weltweit zeitgleiche Releases doch eher die unerwartete Ausnahme einer beinharten Regel. Wollt ihr in den Genuss einer lokalisierten Fassung des sehnsüchtig herbeigesehnten Games kommen, dürft ihr euch zunächst auf mehrere Monate des Wartens einstellen. Eine niederschmetternde Tatsache, die mir bei Persona 5 und auch der Upgrade-Variante mit dem Namensanhängsel Royal schmerzlich in Erinnerung gerufen wurde.


    Das von Atlus und Musou-Schmiede Omega Force entwickelte Persona 5 Strikers trieb diese Tortur eine Stufe weiter, fügte der schrecklichen Wartezeit noch eine dramatische Vorstufe hinzu: Die Ungewissheit, ob es das Sequel rund um meine geliebten Phantomdiebe überhaupt nach Deutschland schaffen oder dem westlichen Markt aufgrund schwer einzuschätzender Erfolgschancen verwehrt bleiben würde. Eine zum Glück unbegründete Sorge, immerhin folgte Anfang Dezember 2020 die erhoffte Ankündigung – und ein Jahr(!) nach japanischer Erstveröffentlichung findet nun auch das geduldige Ausharren endlich ein Ende.


    Plötzlich machten sich jedoch erste Sorgen breit. Wird die Haupthandlung tatsächlich an das Vorgängerniveau anschließen können oder mich enttäuscht zurücklassen? Kann mich das generalüberholte Kampfsystem trotz sichtbarer Schritte in die Musou-Richtung überzeugen? Und macht sich die wagemutige Genre-Umorientierung des Entwicklerteams tatsächlich bezahlt? Befürchtungen, die ich nur kurzzeitig zusätzlich befeuern konnte – denn da hatte das neue Persona-Kapitel bereits mein Herz gestohlen.


    Wie den Phantomdieben, Atlus und auch Omega Force dieses Kunststück gelungen ist, das verrate ich euch im Test.


    [Externes Medium: https://youtu.be/A1Tbexs0ZIg]


    Der Sommer ihres Lebens


    Zwar liegen die spannungsgeladenen Ereignisse aus Persona 5 nur sechs Monate zurück, für die heldenhaften Phantomdiebe ist mittlerweile jedoch gefühlt eine wahre Ewigkeit vergangen. Allerhöchste Zeit also, dass Anführer Joker mit Katzenkamerad Morgana im Schlepptau Tokio einen erneuten Besuch abstattet und mit der ganzen Truppe die Sommerferien nutzt, um einen unvergesslichen Roadtrip durch ganz Japan zu starten.


    Bekanntermaßen ist Frieden in der RPG-Welt von erschreckend kurzer Dauer, weshalb die Freunde bei ihren Reisevorbereitungen direkt ins nächste Abenteuer stürzen und die ikonischen Masken frühzeitig wieder aus dem Schrank kramen müssen. Die bei der Bevölkerung derzeit enorm beliebte App EMMA – eigentlich als unverzichtbares Hilfstool im Stil von Alexa und Siri konzipiert – verfrachtet ahnungslose Nutzer mit einer unheilvollen Zusatzfunktion nämlich ins düstere Meta-Universum, wo sie durch den Raub ihrer Begierden zu willenlosen, leicht manipulierbaren Marionetten umfunktioniert werden. Ein Fall für die Phantomdiebe!


    Keine leichte Aufgabe, müssen die Kämpfer für die Gerechtigkeit doch zu allem Überfluss auch in der realen Welt einen Brandherd in Form von Inspektor Zenkichi Hasegawa löschen. Da sich die mysteriösen Fälle rund um schlagartige Charakterveränderungen nämlich im ganzen Land häufen, wurde dieser mit den Ermittlungen betraut und hat die Freunde (mit Blick auf ihre früheren Taten und besonderen Fähigkeiten logischerweise) als Hauptverdächtige im Visier. Ihre einzige Chance, einer unverdienten Haftstrafe zu entgehen? Gemeinsam mit Hasegawa dem wahren Strippenzieher auf die Spur zu kommen, ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen und die unschuldigen Mitmenschen erneut vor einem sinisteren Schicksal zu bewahren.


    Kurzerhand wird die geplante Japan-Tour zum umfangreichen Super-Einsatz umfunktioniert, ausgelassenes Vergnügen in kulturellen Hochburgen mit fordernden Rettungseinsätzen kombiniert. Ein Urlaub, den sich die Phantomdiebe sicherlich völlig anders vorgestellt hatten, sich aber zumindest einer erfreulichen Tatsache frühzeitig bewusst sein können: Diese Ferien werden sie ihr Leben lang nicht vergessen!



    Herzerwärmendes Wiedersehen


    Bei der Erstankündigung von Persona 5 Strikers (zum damaligen Zeitpunkt noch unter dem eher weniger kompakten japanischen Titel Persona 5 Scramble: The Phantom Strikers bekannt) schwante mir Übles. Zwar hatte Entwickler Omega Force in der 25-jährigen Studiogeschichte trotz einer Vielzahl erschreckend oberflächlicher Musou-Titel nur selten gnadenlose Rohrkrepierer abgeliefert, oftmals sogar das solide Mittelmaß übertroffen, das unvergleichliche Niveau des legendären Originals aus dem Hause Atlus auch nur ansatzweise erreichen zu können erschien mir jedoch ausgeschlossen, somit bereitete ich mich frühzeitig auf die erzählerische Qualität einer typischen Anime-Füllerepisode vor.


    Umso erfreulicher war es, dass mich die Realität bereits nach wenigen Spielstunden wie ein wachrüttelnder Kinnhaken traf, Atlus sich nicht nur als stiller Teilhaber, sondern als wichtiges Zahnrad des Entwicklungsprozesses entpuppte. Persona 5 Strikers hat alle altbekannten narrativen Stärken des Vorgängers an Bord – darunter beispielsweise die häufig ausschweifenden Dialoge, das als roter Faden fungierende Mysterium rund um eine geheimnisvolle Parallelwelt sowie der markante Humor mit Schmunzelgarantie –, streift die Ketten eines vernachlässigbaren Nebenprodukts dadurch früh ab und avanciert zur packenden Vollblut-Fortsetzung.


    Herzstück sind weiterhin die Phantomdiebe – und es fühlt sich wundervoll an, nach fünf Jahren (den kleinen Royal-Ausflug klammere ich mal aus) wieder mit Joker, Panther, Skull und Co. abhängen, ihren persönlichen Geschichten aber auch frechen Sprüchen lauschen zu dürfen. Fans werden abermals mit den geliebten Helden aus Persona 5 vereint, müssen dabei dankenswerterweise keinerlei qualitativen Einbußen hinnehmen und dürfen den nostalgischen Erinnerungen einige hübsche Highlights hinzufügen.


    Persona 5 Strikers ruht sich allerdings nicht auf dem gemachten Charakternest aus, sondern fügt der ausgezeichneten Spielwelt einige wundervolle Pro- und Antagonisten hinzu. Die künstliche Intelligenz Sophia und Inspektor Zenkichi Hasegawa bringen frischen Wind in die Reihen der pfiffigen Jungdiebe und brauchen sich dank individueller Persönlichkeiten nicht hinter den alteingesessenen Kollegen verstecken. Auch die Bösewichter verkommen nicht zu farblosen Widersachern, sondern bekommen mit teils tragischen Vorgeschichten und nachvollziehbaren Motiven eine willkommene Vielschichtigkeit verpasst.


    Neueinsteiger seien an dieser Stelle allerdings gewarnt: Persona 5 Strikers mag großzügig betrachtet auch als Einzeltitel funktionieren, entfaltet allerdings erst als Sequel zum RPG-Hit sein volles Story-Potenzial. Ja, das neue Kapitel stellt definitiv einen angenehmen Einstiegspunkt dar, müssen sich die Phantomdiebe hier immerhin einer völlig neuen Bedrohung stellen, das Verstehen zahlreicher Anspielungen und vor allem die emotionale Bindung zum Team setzen jedoch Vorkenntnisse und somit einen Marsch durch den 2016 veröffentlichten PS3-Vorgänger voraus – hier soll ein Wiedersehen, kein Kennenlernen gefeiert werden!


    Fans mögen sich derweil wundern, weshalb ich die Royal-Variante hier gezielt ignoriere – und bekommt als Antwort direkt den einzigen Wermutstropfen des insgesamt vortrefflichen Handlungskonstrukts aufgezeigt. Es ist nämlich nicht das ebenfalls gefeierte Mega-Upgrade, sondern die 2016 veröffentliche Originalfassung, die als Story-Fundament fungiert, wodurch die damalige Neukämpferin Kasumi „Violet“ Yoshizawa sowie alle nachträglich eingefügten Plotpunkte keinerlei Rollen spielen. Schlussendlich nur für Hardcore-Anhänger ein Ärgernis, das aufgrund seiner marginalen Natur jedoch schnell in den Hintergrund rückt und dank gekonnt implantierter Neustärken rasant gänzlich verpufft.



    Volle Ladung Persona-DNA


    Nachdem nun schon die Handlung nahtlos an die Klasse des Erstlings anschließen konnte, stellt sich natürlich eine Folgefrage: Geht Omega Force auch beim grafischen Gesamtbild in die Vollen oder wurde bei der Entwicklung auf Sparflamme gestellt? Ich möchte euch gar nicht lange auf die Folter spannen – Persona 5 Strikers feuert auch in dieser Rubrik aus allen Rohren und könnte dadurch problemlos mit dem anschaulichen Vorgänger verwechselt werden.


    Bereits das Hauptmenü gibt einen eindrucksvollen Vorgeschmack auf den visuellen Einfallsreichtum, der mit schicken Anime-Sequenzen, vor farbenfrohen Effekten regelrecht explodierenden Kämpfen sowie stylischen Menüs regelmäßig einen Gang höher schaltet. Gelegentlich mag dadurch die Übersichtlichkeit ein wenig in die Knie gehen, dennoch schafft es Omega Force meist erstklassig, die gewohnte Balance aus Chaos und Ordnung meisterlich zu halten und dadurch den überragenden Charme des Vorläufers frühzeitig einzufangen.


    Beim Test konnte Persona 5 Strikers all diese Stärken auf der Nintendo Switch sowie der aus Japan importierten PS4-Fassung bravourös ausspielen. Während man sich auf der PS4 über butterweiche 60fps-Framerate freuen darf, muss die Switch-Variante einige Feder lassen und die Bildrate auf 30fps herunterschrauben, zudem seltene Ruckler sowie einige unschöne Texturen hinnehmen. Von nervender Unspielbarkeit ist jedoch selbst der Handheld-Modus weit entfernt, garantiert also trotz kleinerer Mängel einen packenden Spielfluss und bringt vor allem mobile Gamer zum Strahlen.


    Strahlen dürfen natürlich auch die Persona-Fans, werden doch nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren gehörig verwöhnt. Altbekannte Melodien werden mit (teils wundervoll rockigen) Remix-Varianten und brandneuen Kompositionen geschickt zu einem ebenso varianten- wie auch ohrwurmreichen Soundtrack kombiniert, der von Sängerin Lyn Inaizumi mitsamt ihrer brachialen Superstimme phänomenal abgerundet wird. Besonderes Highlight: Optional darf man während hitziger Duelle auf die klassischen Kampfhymnen Last Surprise (P5) und Take Over (Royal) zurückgreifen. Herrlich!


    Auch die Sprachausgabe lässt sich auf Wunsch umstellen, man darf den Phantomdieben also erneut auf Englisch oder Japanisch lauschen. Gewiss mag das Original hierbei wie gewöhnlich die qualitative Oberhand haben, dennoch fällt die Entscheidung ungeahnt schwer, sind doch alle Stammsprecher wieder an Bord und setzen ihre phänomenale Leistung der Vergangenheit fehlerfrei fort. Da sich die stimmlichen Neuzugänge von dieser ungebrochenen Motivation anstecken lassen und ebenfalls Glanzleistungen abliefern, wird die Wahl wohl schlussendlich durch eure persönliche Referenz entschieden – denn ob nun Englisch oder Japanisch, eine Enttäuschung erwartet euch sicher nicht.



    Ab ins Gefängnis


    Omega Force gibt sich gemeinsam mit Atlus sicht- und auch spürbar viel Mühe, nicht nur an das enorm hohe Handlungs- und Grafik-, sondern auch das generelle Gameplay-Niveau des Originals anzuknüpfen, Fans dadurch frühzeitig mit offenen Armen zu empfangen und mit einigen netten Verbesserungen zu erfreuen.


    Anstatt in Persona 5 Strikers die verschiedenen Bezirke Tokios zu erkunden, dient die japanische Hauptstadt nur als Anfangspunkt unseres Abenteuers, das anschließend durch Sendai, Sapporo, Kyoto und weitere Schauplätze führt. Diese fallen mit jeweils an die drei erkundbaren Gebiete zwar recht überschaubar aus, ermöglichen durch charakteristische Besonderheiten und Wahrzeichen jedoch einen kulturellen Kurztrip, der für die fehlende Weitläufigkeit entschuldigt.


    Viel Zeit für Sightseeing-Touren bleibt euch eh nicht, wartet auf die Phantomdiebe doch kein gemütlicher Urlaub, sondern ein erneutes Aufeinandertreffen mit garstigen Dämonen inmitten der zahlreichen Dungeons des verborgenen Meta-Universums, die nun auf den Namen Gefängnisse hören. Habt ihr euch also die Bäuche mit den lokalen Köstlichkeiten vollgeschlagen und ausreichend Items in die Vorratstasche gequetscht, trommelt ihr die Truppe zusammen, loggt euch via Handy ins aktuelle Gefängnis ein und bahnt euch einen Weg zum schwer bewachten Boss.


    Insgesamt fallen diese Gebiete umfangreicher aus, geben erkundungsfreudigen Spielern mit versteckten Schätzen und kleineren Rätseln ausreichend Möglichkeiten, sich ein wenig auszutoben. Fordernde Kopfnüsse darf man dabei nicht erwarten, beispielsweise muss man Schalter in der richtigen Reihenfolge betätigen oder Eisblöcke durch ein kleines Labyrinth schieben, um höhere Ebenen zu erreichen. Schlussendlich also seichte Ablenkungskost, die vom durchweg ähnlichen Dungeon-Ablauf ablenken soll.


    Ein Plan, der nur teilweise aufgeht. Gähnend langweilig mögen die Gefängnisse dank einiger kreativer Einfälle zwar zu keinem Zeitpunkt ausfallen, können repetitive Abläufe aber spätestens ab der Halbzeit nur schwerlich verbergen. Letztlich läuft das Ganze streng nach Schema F ab: Die Phantomdiebe entdecken und erkunden ein neues Gefängnis, ebnen sich durch das Einsammeln spezieller Gegenstände einen Weg in Richtung Endgegner, müssen vorher eine schier unüberwindbare Herausforderung meistern und sich dann im ultimativen Duell behaupten. Häkchen dran und im Anschluss mehrmals wiederholen.


    Streng genommen könnte man diese Problematik auch Persona 5 ankreiden, Strikers verpasst es allerdings, den Dungeons neben einem optischen auch ein inhaltliches Alleinstellungsmerkmal zu verpassen. Freilich mag der Motivationsfaktor dadurch nicht an den Gefängniswänden zerschellen, erleidet auf der Zielgeraden nichtsdestotrotz einige heftige Kratzer, wird vor dem Einbruch gerade noch rechtzeitig vom Abspann gerettet.



    Eine neue Art der Dämonenbekämpfung


    Wandelte Persona 5 Strikers bisher noch auf einem typischen Sequel-Pfad, erfolgt beim Kampfsystem der vollständige Bruch. Hier packt Omega Force nämlich die langjährige Musou-Erfahrung aus, verabschiedet sich von rundenbasierten Scharmützeln und setzt auf actionreiche Echtzeit-Duelle.


    Zwar darf ich mich weiterhin an unachtsame Dämonen heranschleichen, um mir mit einem Überraschungsangriff einen kleinen Startvorteil zu verschaffen, muss mitsamt schlagkräftiger Nahkampfkombos und flinker Ausweichmanöver anschließend jedoch stets in Bewegung bleiben, um die Auseinandersetzung unbeschadet überstehen zu können. Zusätzlich darf ich auf Schusswaffen oder stellenweise sogar die Umgebung zurückgreifen, um die Gegnerhorden in Schach zu halten und die feindlichen Gesundheitsleisten noch effizienter gen Nullpunkt zu schieben.


    Als Anführer der Phantomdiebe agiert Joker dabei logischerweise als wegweisende Galionsfigur, stiehlt den restlichen Mitglieder allerdings nicht die Show. Anstatt ihr virtuelles Dasein nämlich nur als computergesteuerte Verbündete zu fristen, sind alle Helden aus dem aktuell zusammengestellten vierköpfigen Team spielbar, lassen sich sogar inmitten eines laufenden Gefechts direkt anwählen. Zwar unterscheiden sich die einzelnen Angriffspaletten nur geringfügig voneinander, dennoch bringt jeder Charakter seine eigenen Feinheiten mit und macht die Wechselmöglichkeit somit zur willkommenen Taktikkomponente.


    Unerlässlich ist natürlich auch der Einsatz unserer Personas, werden damit doch die Schwachstellen eurer Rivalen mit elementarer Magie gezielt ins Visier genommen, ein unfreiwilliger Bildschirmtod durch einen Heilspruch abgewendet oder stärkende Statusveränderungen aktiviert. Via Knopfdruck könnt ihr eine Liste aller derzeit zur Verfügung stehenden Kreaturen aufrufen, dadurch das Kampfgeschehen kurzzeitig pausieren, also in Ruhe nach dem benötigten taktischen Hilfsmittel suchen und abschließend der überwältigenden Macht eures treuen Begleiters freien Lauf lassen.


    Wurde der rasante Wechsel zwischen Nah- und Fernkampf- sowie Persona-Beschwörungen verinnerlicht, gilt es die Schwächen der Dämonenscharen stets im Auge zu behalten, um brachiale Spezialattacken vom Stapel zu lassen, mit denen man das gesamte Schlachtfeld effektiv aufräumt. Fans freuen sich dabei über den bewährten All-Out-Move, mit dem das gesamte Team allen paralysierten Feinden eine Tracht Prügel verpasst und feiern den neuen Showtime-Angriff, der zwar zunächst aufgeladen werden muss, per Kräfteentfesselung der aktuell ausgerüsteten Persona dann aber einen bildschirmfüllenden KO-Punch allerster Güte entfesselt.



    Zwischen Action-RPG und Musou


    Persona 5 im Musou-Gewand? Obwohl Omega Force mit One Piece: Pirate Warriors, Hyrule Warriors oder Fire Emblem Warriors bereits andere Gaming-Serien erfolgreich über die Genre-Grenze begleitet hatte, konnte ich mir das bei der Erstankündigung kaum vorstellen. Als Joker von Missionspunkt A nach B, C und D hechten, unterwegs abertausende Mini-Dämonen ohne nennenswerte Gegenwehr pulverisieren und mich dabei auf stupides Knöpfchendrücken verlassen? Eine gedankliche Einstellung auf dieses neue Konzept erschien mir nach dem grandios vielschichtigen Vorgänger unmöglich.


    In der Praxis wurde mir dieser Prozess allerdings erschreckend vereinfacht, überschreitet Persona 5 Strikers die eben erwähnte Genre-Grenze doch niemals komplett, sondern positioniert sich eher zwischen Rollenspiel und Musou. Diese Balance wird von Anfang bis Ende problemlos gehalten, wodurch Stärken aus beiden Welten aktiviert, potenzielle Schwächen zumindest während der ersten Stunden energisch aus dem Gesamtbild gedrückt werden.


    Oberflächlich betrachtet ist die Gameplay-Handschrift der Musou-Meister von Omega Force ohne Frage unverkennbar, doch werden mir bereits während des ersten Dungeons ausreichend Hürden in den Weg geworfen, derer ich mich (vor allem auf der höchsten Schwierigkeitsstufe) nur durch den Einsatz aller mir zur Verfügung stehenden, kämpferischen Mittel entledigen kann.


    Bereits beim ersten Boss mache ich mir mein virtuelles Leben durch den Verzicht auf meine Personas und helfenden Verbündeten unnötig schwer – variantenarme Nahkampfwellen sind somit keine Option. Dadurch entsteht ein grandioser Flow, der sich stolz als bestimmender Motivationsfaktor des neuen Kampfsystems bezeichnen darf. Binnen weniger Sekunden vom Erkundungszug mitten ins Gefecht zu springen und die Dämonentruppen in einem beachtlichen Tempo nach allen Regeln der Phantomdiebe-Kunst zu vermöbeln, macht einfach verboten viel Laune und nutzt sich nur langsam ab.


    Vollends abschütteln kann Persona 5 Strikers die üblichen Musou-Mängel dennoch nicht, wofür primär die Standardgegner-Front verantwortlich ist. Hat man sich nämlich mit den grundlegenden Mechaniken angefreundet und mit gesammelten Erfahrungspunkten die eigenen Fähigkeiten verbessert, stellen die Mini-Dämonen nur selten eine Bedrohung dar, werden somit spielend leicht vom Schlachtfeld gefegt. Das breite Angriffsrepertoire wird somit nicht gebraucht, reichen doch simple Kombos bereits locker aus, um das Schlachtfeld siegreich zu verlassen. Eine Anspruchslosigkeit, die zum perfekten Nährboden für rasant einsetzende Repetition wird.


    Im direkten Vergleich mit Genre-Kollegen sicherlich nur eine geringfügige Problematik, kann Omega Force die hauseigene Gameplay-Formel an anderen Stellen doch ausreichend erweitern und dadurch auffrischen, auf die damit in Verbindung stehenden, kleinen Ermüdungserscheinungen hätte ich nichtsdestotrotz verzichten können.



    Stärkende Freundschafts- und Personapflege


    Es ist nicht nur diese erfreuliche Überarbeitung des Kampfsystems, sondern auch die Vielzahl an Upgrade-Möglichkeiten, mit denen Omega Force Persona 5 Strikers meine Motivationskurve beim Test vor einem herben Einbruch bewahren und eine gewisse Musou-Tristesse gekonnt abschütteln konnte.


    RPG- (oder überhaupt Videospiel-)Kenner dürften von den ersten Verbesserungsschritten wenig überrascht sein: Erfahrungspunkte und Moneten. Beides winkt als Belohnung für glorreiche Siege, sorgt für Standardattribute stärkende Stufenanstiege und füllt die Kasse für ausgiebige Shoppingtouren. Im von KI-Partnerin Sophia geführten Online-Shop investieren wir die Kohle in schicke Waffen und Ausrüstungsgegenstände, während wir örtliche Geschäfte nach wohlschmeckenden Köstlichkeiten mit heilenden Zusatzwirkungen durchforsten. Nehmt ihr dabei auch für Rezepte und Zutaten ein wenig Kohle in die Hand, kann sich Joker sogar höchstpersönlich als Koch versuchen und seine Freunde mit deftigen Gerichten erfreuen, die euch beim Verzehr in den Gefängnissen einen vorteilhaften Status-Boost verpassen.


    Überhaupt stellt eure Beziehung zu den Phantomdieben auch beim Sequel ein unverzichtbares Kernelement dar. Gekonntes Teamwork, bestimmte Handlungsmomente oder optionale Dialoge treiben nämlich unseren Bindungslevel in die Höhe, dessen Aufstieg uns mit sogenannten Bindungspunkten belohnt. Mit diesen schalten wir dann besondere Fähigkeiten frei, erhöhen beispielsweise unsere Geldeinnahmen, intensivieren die Wirkung unseres Showtime-Angriffs, maximieren unseren Munitionsvorrat oder treiben Gesundheits- und Ausdauerwerte in die Höhe. Nur schade, dass ich mich nun nicht mehr auf einzelne Gefährten konzentrieren darf, sondern mir der Beziehungspfad letztendlich vorgefertigt präsentiert und nur selten Entscheidungsfreiheit eingeräumt wird.


    Restriktive Gameplayketten, die sich Persona 5 Strikers beim Management der namensgebenden Wesen spart. Diese in meinen Besitz zu bringen fällt nun zugegebenermaßen ungemein einfacher aus – ich muss einfach nur hoffen, dass sich besiegte Dämonen zu Masken verwandeln –, dafür stehen mir aber weiterhin verschiedene Optionen zur Verfügung, mein Repertoire auszubauen und aufzuwerten. Dabei dient der geheimnisvolle Velvet Room erneut als Hauptschauplatz, darf ich meine übernatürliche Crew hier doch im Austausch mit Persona-Punkten kräftetechnisch aufpumpen, frühere Kameraden gegen Bezahlung wieder an meine Seite beschwören oder gnadenlos mehrere Opfergaben in den Ring werfen, um mit einem neuen Super-Partner entlohnt zu werden. Dank des schnell einsetzenden „Schnapp sie dir alle“-Gefühls eine helle Freude, die Fans direkt an den Vorgänger erinnert.


    Generell scheint sich Omega Force in vielerlei Hinsicht an grundlegende Kernelemente aus Persona 5anzulehnen, um wegen des überarbeiteten und vergleichsweise oberflächlichen Kampfsystems verschreckte Anhänger beruhigen, diese mit spielerischer Überzeugungsarbeit dennoch überzeugen zu können. Ein Vorhaben, das sich bezahlt macht: Die Jagd nach fehlenden Personas, das Freischalten neuer Upgrades, das unerbittliche Aufleveln und jede noch so unwichtig erscheinende, für mich aber dennoch kostbare Interaktion mit den Phantomdieben weckten allesamt nicht nur Erinnerungen an das erste Abenteuer, sondern verhalfen den auf wackeligen Musou-Beinen stehenden Echtzeit-Prügeleien zu mehr Stabilität, machten sie zu einem nicht perfekten, aber soliden Element von Persona 5 Strikers.



    Geglücktes Zusammenspiel


    Ein weiterer Nackenschlag blieb mir aber leider nicht erspart. In puncto Nebenbeschäftigungen tritt Persona 5 Strikers im Vergleich zum Vorgänger – und vor allem zur Royal-Variante – nämlich stark auf die Bremse, eröffnet mir abseits meiner Streifzüge durch Gefängnisse und (überschaubare) japanische Großstädte zwar noch einige wenige Freiheiten, streicht die altbewährte Alltagssimulation aber fast gänzlich aus der eingespielten Persona-Gleichung.


    Durften wir in Persona 5 noch Jobs annehmen, Freunde treffen, für die Schule büffeln oder uns in der Welt der Videospiele verlieren, versteift sich Omega Force primär auf optionale Missionen, deren erfolgreiche Erfüllung das erneute Besuchen abgeschlossener Dungeons erfordert. Nennenswerten Highlights begegnet man hier allerdings nur selten, oftmals muss man vorgegebene Dämonen durch das Ausnutzen ihrer individuellen Schwachstelle ausschalten, bestimmte Gegenstände ausfindig machen oder sich ein weiteres Mal gegen einen bereits geschlagenen Boss behaupten.


    Hilfreiche Items, Erfahrungspunkte und auch neue Upgrade-Möglichkeiten winken zwar als Belohnungen, eine gewisse Monotonie beim Abgrasen der Nebenaufgaben konnten diese aber kaum verbergen. Dreh- und Angelpunkt aller grundlegenden Gameplay-Elemente von Persona 5 Strikers sind nun mal die Echtzeitkämpfe gegen allerlei Kreaturen, die mich dank eines fantastischen Flows und einer Reihe spielbarer Charaktere zwar nie gänzlich langweilten, sich als tragende Säule eines knapp 40-stündigen Abenteuers (inklusive Sidequests und Persona-Jagd) allerdings nur bedingt eigneten, zusehends an Stabilität verloren und an der Sequel-Anforderung einzustürzen drohten.


    Und doch zog mich die Fortsetzung in ihren Bann, fesselte mich mehrere Nächte an die Konsole und begeisterte mich bis zum mehr als zufriedenstellenden Abspann. Ohne Zweifel stellt das Kampfsystem auf lange Sicht das schwächste Glied von Persona 5 Strikers dar, lässt im Laufe der Haupthandlung sowie beim finalen Abgrasen der Dungeons trotz einer für das Musou-Genre eher untypische Vielschichtigkeit kontinuierlich eine lähmende Simplizität durchschimmern, bekommt von einer spannenden Story, den weiterhin unfassbar sympathischen Protagonisten und der farbenfroh-kreativen Inszenierung inklusive unvergleichlichem Grafik-Stil und göttlichem Soundtrack ausreichend Rückhalt geboten, um dem Erstling dennoch gerecht zu werden.


    Omega Force bleibt dem namhaften Vorläufer somit in nahezu jeder Hinsicht treu und merzt dabei altbekannte Genreschwächen zumindest ansatzweise aus, versieht Persona 5 Strikers also gekonnt mit einer willkommenen Tiefe, unverkennbarem Charme und einer gehörigen Prise Action-RPG, hebt das von Fans sehnlichst erwartete Sequel dadurch brillant aus der Menge spielerisch uninspiriert anmutender Musou-Titel hervor. Und spendiert den Phantomdieben somit eine fantastische Rückkehr, die ich trotz einiger Makel in meiner Sammlung nicht mehr missen möchte – und insgeheim auf weitere Abenteuer von Joker und Co hoffe.


    [Externes Medium: https://youtu.be/I5LKhdlpMjM]


    Fazit


    Ein liebloses Spin-Off im Warriors-Gewand? Ganz im Gegenteil! Mit Persona 5 Strikers fangen Omega Force und Atlus die spielerische Seele und den unvergleichlichen Charme des gefeierten Vorgängers erstklassig ein und servieren loyalen Fans ein vollwertiges Sequel, das allein aufgrund der packenden Handlung zum Pflichtprogramm avanciert.


    Es fühlt sich an, als hätte ich diese wundervolle Spielwelt niemals verlassen: Erneut stelle ich an der Seite der legendären Phantomdiebe verschiedenste Dungeons auf den Kopf, vermöble garstige Dämonenhorden mitsamt eines frischen Kampfsystems, feile regelmäßig an der Zusammenstellung meines Persona-Squads und wappne mich mit einer Vielzahl freischaltbarer Upgrade-Möglichkeiten für kommende Herausforderungen. Ein erprobtes Gameplaykonstrukt, das abermals feinste, umfangreiche Unterhaltung garantiert, die vom einzigartigen Art-Design sowie einem Killer-Soundtrack visuell sowie akustisch phänomenal unterstützt wird – da fallen kleinere technische Ungereimtheiten (vor allem bei der Switch-Variante) nur marginal ins Gewicht.


    Allerdings kann Omega Force die üblichen Musou-Fallen nicht immer umschiffen, stolpert bei den hektischen Prügeleien gelegentlich über fehlenden Anspruch und verliert sich – auch durch den Wegfall vielfältiger Nebenbeschäftigungen – in einem abwechslungsarmen Sumpf der Monotonie. Im direkten Vergleich zu Genre-Kollegen zum Glück nur ein temporärer Zustand, gestalten sich hervorragend integrierte RPG-Element oftmals als willkommener Lebensretter, verhindern somit ein vollständiges Versinken und halten die Motivationskurve effektiv vom Nullpunkt fern.


    Persona 5 Strikers mag die gigantischen Fußstapfen des Vorgängers nicht gänzlich ausfüllen können, präsentiert sich dank einer exzellenten Mischung aus alten sowie neuen Stärken aber dennoch als würdige Fortsetzung, die mir nicht nur ein permanentes Lächeln ins Gesicht gezaubert, sondern mir gleichzeitig auch heimtückisch mein Herz gestohlen hat.


    Die Phantomdiebe sind zurück – und ich könnte kaum glücklicher sein!

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